BILDBYRÅN/edited
WC

IIHF Weltmeisterschaft 2022: Teamvorschau Österreich

Am Freitag startet die Eishockey-Weltmeisterschaft 2022 in Finnland (Tampere & Helsinki). Elite Prospects Rinkside wirft im Vorfeld einen Blick auf die Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In dieser Ausgabe: Team Österreich.



Für die Alpenrepublik dient die Weltmeisterschaft 2022 als eine erneute Chance, sich im Oberhaus zu etablieren. Im vergangenen Jahr hätten die Österreicher die D1A-WM in Laibach bestreiten sollen, doch wurde das Turnier abgesagt. Auch in diesem Jahr hätten sie eigentlich das D1A-Turnier spielen sollen, allerdings ergab sich durch den Ausschluss Russlands und Weißrusslands eine erneute Möglichkeit, sich mit den großen Eishockeyländern zu messen. Dasselbe gilt allerdings auch für Frankreich.

Für die Österreicher gilt es, die WM so positiv wie nur möglich zu gestalten, denn die Nationalmannschaft unterzieht sich im Moment einer Verjüngungskur. 2019 war das Team zuletzt bei einer A-WM und bot bereits damals lediglich vier Spieler auf, die jünger als 24 Jahre alt waren. Nun stellt sich die Frage, ob die nächste Generation bereit ist, ein neues Zeitalter für das Nationalteam zu starten. Die Gelegenheit scheint so gut wie nie zuvor zu sein. Abgesehen davon, dass sich die Nachbarländer um Deutschland und die Schweiz in der anderen Gruppe (Gruppe A) befinden, kann Österreich in Gruppe B sicherlich gegen Mannschaften wie Großbritannien und Norwegen einiges erreichen. 

Diese beiden Spiele werden auch im Kampf um den Abstieg eine sehr wichtige Rolle spielen, denn wenn man die verbleibenden Teams in dieser Gruppe und in diesem Turnier miteinbeziehen sollte ein nicht absteigen das ultimative Ziel der Österreicher sein. 

Gruppe B stellt mit Finnland, Schweden, Tschechien, Lettland und den USA anderweitig nämlich nur hochklassige Gegner für die Österreicher. 



Der Kader  


Torwart  

Alle drei Torhüter verdienen ihr Geld in der einheimischen ICEHL. Mit 36 Jahren sollte Bernhard Starkbaum, der immerhin vier Jahre lang in der höchsten Liga Schwedens gespielt hat, zur erwarteten Nummer 1 im Tor werden. Starkbaum strahl in seinem Gehäuse viel Ruhe aus, was für eine sehr junge österreichische Mannschaft von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Der Linksfänger kam in der gerade abgelaufenen Saison auf 24 Einsätze für die Vienna Capitals und konnte dabei eine Fangquote von 92,8 Prozent und einen Gegentorschnitt von 2,23 aufweisen. 

Hinter ihm dürfte sich sein Teamkollege David Kickert einreihen. Mit 28 Jahren ist Kickert einer der etabliertesten Goalies in der ICEHL. Kickert absolvierte dieses Jahr 21 Spiele für die Vienna Capitals und kam dabei auf einen Gegentorschnitt von 2,65 und eine Fangquote von 90,9 Prozent. 

Als Nummer 3 fährt David Madlener vom Dornbirner EC mit zur WM. Der 30-Jährige kam in 19 Spielen auf eine Fangquote von 86,6 Prozent und einen Gegentorschnitt von 3,97. 



Verteidiger

Sehr willkommen in diesem Team wäre ein Durchbruch von David Maier (22), Philipp Wimmer (20) und Kilian Zündel (21). Letzterer gewann gerade die ICEHL-Meisterschaft mit Salzburg und unterschrieb prompt beim HC Ambri-Piotta in der schweizerischen NL. Wimmer soll in der nächsten Saison zum festen Bestandteil des Kaders von Salzburg zählen, nachdem er in dieser Saison zu einem Top-Verteidiger für die Red Bull Juniors in der AlpsHL avancierte und bereits zehn Spiele mit Salzburg absolvierte. Maier spielt schon regelmäßig für den traditionsreichen KAC, nachdem er zwei Saisons in der kanadischen Juniorenliga OHL mit Bravour meisterte. Auf diese Spieler wird das österreichische Eishockey in den kommenden Jahren bauen und jetzt können sie bereits dafür sorgen, dass ihre internationale Zukunft weiterhin in der A-Gruppe stattfindet.

Die Hauptlast der Verantwortung in der Verteidigung wird allerdings bei den Veteranen Dominique Heinrich (31) und Clemens Unterweger (30) liegen. Beide sind seit Jahren international für Österreich unterwegs und spielen Schlüsselrollen für ihre jeweiligen ICEHL-Mannschaften. Helfen wird diesen beiden ganz sicher Bernd Wolf (25), der seine Schlittschuhe für Lugano in der NL schnürt. Dennoch ist Wolf als reiner Defensivverteidiger zu bezeichnen. Abgerundet wird die Verteidiger-Gruppe durch Nico Brunner (29), Dominic Hackl (25) und Erik Kirchschläger (26). Alle drei Verteidiger sind bewährte Kräfte in der ICEHL und können für Stabilität in der eigenen Zone sorgen.



Stürmer  

Obwohl dieses Team es schwer haben sollte, viele Tore zu erzielen, sind im Sturm die vielversprechendsten Namen vorzufinden. 

Erhofft hatten sich die Österreicher, dass Michael Raffl zur Mannschaft dazustoßen würde, jedoch befindet sich dieser noch mit den Dallas Stars in den NHL-Playoffs. Je nachdem wie die Serie gegen die Calgary Flames verläuft (Serienstand 2:2), könnte der NHL-Veteran noch nach Finnland nachreisen. Auch auf Marco Rossis Dienste kann der Verband nicht zurückgreifen, denn der hochtalentierter Mittelstürmer verpasste das Saisonende mit einer Verletzung. Gleichzeitig befindet sich Stürmer Konstantin Komarek mit Lulea im Finale der SHL, wo Spiel 7 erst am Donnerstag stattfindet. Ob er noch dazukommen wird, ist im Moment fraglich. Diese drei Spieler hätten womöglich die erste Reihe der Österreicher gebildet.

So wird die Last des Toreschießens auf andere Spieler fallen, und womöglich müssen auch hier mit die jüngsten Spieler die Mannschaft führen. Marco Kasper ist lediglich 18-Jahre alt und wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im kommenden NHL-Draft von einer NHL-Franchise gezogen. Kasper verbrachte den Großteil der gerade abgelaufenen Saison mit Rögle BK in der SHL und kam in 46 Spielen auf sieben Tore und vier Assists.

[Lies mehr| Marco Kasper: Der nächste Hoffnungsträger aus Österreich]


Auch in der Pflicht wird Benjamin Baumgartner stehen. Der 22-Jährige ist ein Draftpick der New Jersey Devils und absolvierte gerade seine vierte Saison in der schweizerischen NL, wo er mit dem Lausanne HC 52 Spiele bestritt und dabei auf 15 Punkte kam. 

[Lies mehr| Benjamin Baumgartner: Das Glück in der Ferne]


Kasper und Baumgartner könnten in einer Reihe mit Ali Wukovits (26) spielen, der gerade mit Salzburg Meister wurde. Wukovits ist auch für seinen physischen Spielstil bekannt, obwohl er eine durchschnittliche Größe von 1,84 Meter mit sich bringt.

Zu den wichtigsten Waffen in der Offensive gehören auch Dominic Zwerger (25) und Oliver Achermann (28). Zwerger spielt bereits seit Jahren beständig in der National League, während Achermann diese Saison mit seinen 25 Toren und 45 Punkten zu den Top-Scorern seiner Mannschaft in der Swiss League, der zweithöchsten Profiliga in der Schweiz wurde. 

[Lies mehr| Dominic Zwerger: Ein Österreicher in der Schweiz]


Zu ihnen gesellen sich die wichtigen Veteranen wie Brian Lebler (33), Thomas Raffl (35) und der ICEHL Top-Scorer Peter Schneider (31). Raffl und Schneider spielen seit Jahren eine Hauptrolle in der ICEHL, wo sie mit Salzburg die Meisterschaft gewonnen haben. Lebler wechselte noch spät in der Saison nach Salzburg und trug mit sieben Punkten in zwölf Playoff-Spiele noch ordentlich zur Meisterschaft dazu. Das Trio bildet mit Heinrich und Unterweger das Herz der Mannschaft.

Auch die restlichen Stürmer brauchen sich nicht zu verstecken. Lukas Haudum (24) hat lange Jahre in Schweden verbracht und besitzt einiges an SHL-Erfahrung, während Benjamin Nissner (24) gerade mit 43 Punkten in 48 Spielen für Salzburg glänzte. Manuel Ganahl (31) ist seit Jahren ein überdurchschnittlicher Punktesammler in der ICEHL. Auch Nico Feldner ist mit 23 Jahren noch ein relativ junger Spieler, der speziell in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht hat. Äußerst interessant ist auch die Personalie Paul Huber (21), der mit elf Punkten lediglich ein Mann für die unteren Reihen in Salzburg war, aber der Verband hält große Stücke von dem jungen Stürmer, der mit Gardemaßen von 1,93 Meter und 94 Kilogramm ausgestattet ist. Er ist sich auch für nichts zu schade.

Im Großen und Ganzen werden die Stürmer sehr viel zum Klassenerhalt verrichten müssen. Die meisten von ihnen sind es gewöhnt, in ihren jeweiligen Klubs Scoring-Rollen zu übernehmen. Allerdings wird es für diese Mannschaft bei diesem Turnier auch darauf ankommen, Tore zu verhindern. Sind sie sich dieser Aufgabe gewachsen?


Fazit

Roger Baders Team darf in dieses Turnier ruhig als Underdog gehen. Oftmals ist diese Mentalität genau die richtige, um das ein oder andere Team zu ärgern. Den Kader, um dies zu vollbringen, haben die Österreicher allemal.

In der WM-Vorbereitung konnte sich das Team bereits mehr als respektabel präsentieren. Bis auf die 1:4-Niederlage gegen Tschechien sind alles Spiele eng geblieben. Ein 0:1 gegen Schweden bzw. ein 2:4 gegen Finnland sind beides Ergebnisse, die sich sehen lassen können, zumal zu bemerken ist, dass das Team seine defensiven Aufgaben in diesen Spielen wahrgenommen hat. Ein 5:0-Sieg gegen Italien zeigte auch, dass Tore gegen vergleichbare Gegner geschossen werden können. Das sind wichtige Erkenntnisse für den ÖEHV.

Nun, ob all das bedeutet, dass dieses Team bereit ist, einen Abstieg zu vermeiden, wird sich wahrlich erst auf dem Eis zeigen. Für die Männer aus der Alpenrepublik wird die wichtigste Begegnung, die gegen Großbritannien sein. Dieses Aufeinandertreffen findet mit dem vierten Spiel in der Vorrunde statt und dürfte für dieses Team wegweisend sein, denn anschließend müssen die Österreicher noch gegen die USA, Norwegen und Finnland ran. Vermutlich wäre das Spiel gegen eine potenziell starke norwegische Mannschaft die letzte Möglichkeit, sich positiv aus der Affäre zu ziehen. Zum Leid für Team Austria gibt es in Gruppe A einfach mehr Abstiegskandidaten, gegen die sie nicht spielen werden.


Der komplette Kader: 



Der Spielplan:   

14.05. - 11.20 Uhr 🇸🇪 vs. 🇦🇹

15.05. - 15.20 Uhr 🇦🇹 vs. 🇺🇸

17.05. - 15.20 Uhr 🇨🇿 vs. 🇦🇹

18.05. - 15.20 Uhr 🇳🇴 vs. 🇦🇹

20.05. - 19.20 Uhr 🇱🇻 vs. 🇦🇹

21.05. - 15.20 Uhr 🇦🇹 vs. 🇫🇮

23.05. - 19.20 Uhr 🇦🇹 vs. 🇬🇧





Das könnte Dich auch interessieren:
Avalanche sweepen Predators – Panthers zittern sich zu OT-Sieg
Avalanche sweepen Predators – Panthers zittern sich zu OT-Sieg
Dominic Zwerger: Ein Österreicher in der Schweiz
Dominic Zwerger: Ein Österreicher in der Schweiz
Dieser Artikel ist über:
Austria WC Oliver Achermann Benjamin Baumgartner Nico Brunner Nico Feldner Manuel Ganahl Dominic Hackl Lukas Haudum Dominique Heinrich Paul Huber Marco Kasper David Kickert Erik Kirchschläger Brian Lebler David Madlener David Maier Benjamin Nissner Thomas Raffl Peter Schneider Simeon Schwinger Bernhard Starkbaum Clemens Unterweger Philipp Wimmer Bernd Wolf Ali Wukovits Kilian Zündel
Scoring Leaders