DEL

Maximilian Franzreb: Die bemerkenswerte Karrierereise des Torhüter des Jahres in der DEL2

Veni. Vidi. Vici. 

Kaum angekommen, schon gewonnen.


So könnte man die Geschichte von Maximilian Franzreb beschreiben. Noch vor seinem 25. Geburtstag wurde er in seiner ersten vollen Saison in der DEL2 bereits zum Torhüter des Jahres ausgezeichnet. Nur wenige Tage später hatte er einen neuen DEL-Vertrag in der Tasche.



Doch ist der Weg zu diesem DEL-Engagement alles andere als gerade verlaufen, da dies bereits der zweite DEL-Anlauf in seiner noch jungen, dennoch ereignisvollen Karriere sein wird. Die Errungenschaften der vergangenen Saison, in der Franzreb sein Team zum zweiten Platz in der DEL2 führte und zum Torhüter des Jahres mit 48 Prozent der Stimmen erkoren wurde, ist die bisherige Krönung seiner Reise. 

Für den jungen Goalie war die Anzahl der Stimmen dann doch ein wenig überraschen, denn sein Nachfolger in dieser Wahl, Amerikaner und ehemaliger DEL-Goalie Jerry Kuhn, bekam „nur“ 32 Prozent der Stimmen. „Es sind wirklich viele gute Torhüter in dieser Liga gewesen. Ich habe erst in der Awards-Sendung erfahren, dass ich zum DEL2 Torhüter des Jahres geworden bin“, erklärt Franzreb im Gespräch mit EliteProspects Rinkside. „Ich habe mich riesig darüber gefreut, aber ich wusste nicht, dass es um die 45-50 Prozent waren, die mich gewählt hatten. Auf diesen Titel bin ich sehr stolz, doch ohne mein Team hätte ich das nie geschafft. Wir haben 50 Spieltage oft mit nur höchstens 13 Spielern gespielt und die Jungs haben sich in jeden Schuss für mich geworfen. Daran merkt man, was für ein Team wir waren.“


Wechsel in die Heimat zahlt sich aus  

Nach Bad Tölz gekommen war Franzreb Anfang Januar 2020, nachdem sein Vertrag mit den Eisbären Berlin aufgelöst wurde. Obwohl die Saison 18/19 in Berlin sehr erfolgreich für ihn lief, sah die Situation nach lediglich sieben Spielen in der Saison 19/20 mit einer Fangquote von 88 Prozent wesentlich anders aus. „Ich hätte in Berlin auch gerne den Durchbruch schon geschafft. Nur als ich die Chance hatte, hat sich mein Kollege Marvin Cüpper damals leider sehr schwer verletzt“, so Franzreb. „Daher waren die Eisbären gezwungen, einen älteren Torwart zu verpflichten und dann hat man als junger Torwart leider nicht mehr die Chance bekommen, sich über mehrere Spiele zu beweisen. Vielleicht sollte es auch noch nicht so sein.“

Doch der Wechsel in die Heimat des gebürtigen Bad Tölzer schien genau der richtige Schritt zu sein, um ihn wieder in die Erfolgspur zu bringen. Mit dem neuen Mann im Tor überraschten die Löwen in der Saison 19/20 die ganze Liga und schafften es sogar, einen Playoff-Platz zu erreichen, was nicht gerade jedem Aufsteiger in die DEL2 gelingt. Franzrebs acht Siege in 14 Spielen gepaart mit einem Gegentorschnitt von 2.39 und einer Fangquote von 92 Prozent waren maßgeblich an den Erfolg beteiligt. Bekanntlich fanden die Playoffs nicht statt.

BILDBYRÅN/Beautiful Sports


Stattdessen straften die Löwen allen Schwarzsehern Lügen und fingen in der vergangenen Saison genau da an, wo sie in der Saison 19/20 aufgehört haben. Nach der regulären Spielzeit standen lediglich die Kassel Huskies auf einem höheren Platz in der Tabelle und einmal wieder war Franzreb mittendrin im Teamerfolg mit 29 Siegen in 50 Spielen sowie einer Fangquote von 92 Prozent. Doch der bescheidene Keeper sieht das Rezept zum Erfolg klar in der Geschlossenheit der Mannschaft. „Das Rezept für diese zwei außergewöhnlichen Spielzeiten ist unser Team. Jeder hat für jeden gekämpft und ist den einen Zentimeter mehr gelaufen, den man braucht, um zu gewinnen. Und natürlich unsere super Stimmung mit unseren Betreuern - die Jungs haben auch alles für uns gemacht, damit es so gut läuft.“

So eingeschworen die Truppe war, hieß der Gegner in den Playoffs Ravensburg Towerstars, eine sehr erfahrene Mannschaft, die die Tölzer nicht überwinden konnten. Ein schon dünner Tölzer-Kader erlitt dann auch noch den Ausfall des Top-Torjägers der DEL2, Max French, während die Towerstars eine Reihe von wichtigen Akteuren nach zum Teil langen Verletzungen wieder in die Reihen begrüßen durften. „Das schmerzt sehr, da wir meines Erachtens das bessere Team waren“, meint der Torhüter, der in allen vier Playoff-Spielen im Tor stand. „Aber nicht immer das bessere Team gewinnt. Wir hatten auch leider ein paar wichtige Ausfälle, allen voran der von Max French. Nichtsdestotrotz, bin ich stolz auf die Jungs. Wir haben alles rausgehauen, was ging, und am Ende hatten wir vielleicht nicht das nötige Glück, aber so ist der Sport.“


Neuer Anlauf in der DEL  

Auch wenn das Ausscheiden in der ersten Runde einen bitteren Nachgeschmack hinterließ, war der nächste Schritt in Franzrebs Karriere bereits wenige Tage später unter Dach und Fach. Als Neuzugang der Fischtown Pinguins wurde sein neuer Arbeitgeber bekannt gegeben und so gesellt er sich zum Deutsch-Amerikaner Brandon Maxwell als Ersatz für den abgewanderten Tomas Pöpperle. Vermutlich wird Franzreb nicht der letzte junge Tölzer des diesjährigen Teams sein, der in dieser Offseason mit einem DEL-Vertrag ausgestattet wird, zumal zwei Spieler diesen Winter besonders auf sich aufmerksam gemacht haben. „In Tölz waren sehr gute junge Spieler wie Luca Tosto oder Niklas Heinzinger. Diese beiden werden auf jeden Fall ihren Weg gehen und auch sehr gut in der Ersten Liga Fuß fassen, weil sie in Tölz die nötige Spielpraxis hatten“, vermutet Franzreb, der vor allem alles über die Qualitäten des jungen Verteidigers Heinzinger weiß.

Einst ein Ausnahmetalent im Nachwuchs der Hamburg Freezers, mit denen er auch reichliche DNL-Einsätze bekam, hatte Franzreb bereits in der Spielzeit 2014/15 eine Förderlizenz bei Bremerhaven in der DEL2. Nun wechselt er fest in die Mannschaft, die ausgerechnet die Lizenz der Freezers nach ihrem Rücktritt aus der DEL übernommen haben. „Ja, die Hamburg Freezers… Ich würde sehr wahrscheinlich immer noch gern für diese coole Mannschaft und den Verein spielen aber leider ist dieses Geschäft so wie es ist“, blickt der Torwart auf seine ersten Erfahrungen im Profibereich zurück. „Ein Stück weit fühlt es sich so an, als würde ich quasi wieder in die Heimat ziehen. Der Kontakt nach Bremerhaven ist nie abgerissen, denn ich war als Förderlizenz-Spieler schon mal dort und habe immer verfolgt, was dort geschieht.“

Immerhin haben es die Pinguins in jeder Saison ihrer DEL-Zugehörigkeit geschafft, an den Playoffs teilzunehmen, was eine Schlüsselrolle in der Wechselentscheidung des 24-Jährigen gespielt hat, „Sie haben sich seit ihrem Aufstieg sehr gut in der Liga etabliert. Ich bin einfach froh, dass ich diese Chance in der DEL wiederbekomme und werde zu 120 Prozent bereit sein, um den nächsten Schritt zu machen.“

Franzreb weiß ganz genau, wovon er redet, denn die kommende Saison bei den Fischtown Pinguins bereitet ihn mit seiner zweiten großen Chance in der DEL. Vor einigen Jahren war er als Förderlizenzler der Eisbären Berlin sehr erfolgreich im Tor der Lausitzer Füchse in der DEL2 gestanden, wo ihm beinah dort schon der Riesensprung in die DEL gelungen war. Seine Tätigkeit in Bad Tölz war somit seine zweite Erfahrung in der Liga und dort hat er eine deutliche Schippe draufgelegt. Nun gilt es, das gleiche in Bremerhaven zu tun, etwas, dass ihm in seiner ersten Bewährungszeit bei den Eisbären Berlin nicht ganz gelungen ist.

„In Bad Tölz ist es nochmal wesentlich erfolgreicher gelaufen. Dennoch möchte ich die Zeit in Weißwasser nicht missen, denn diese war der Anfang und die Chance mit 19-Jahren im Profibereich Fuß zu fassen“, blickt der Keeper zurück. „In Bremerhaven wird seit Jahren sehr gut gearbeitet und man sieht, was es für einen Weg geben kann, wenn man immer an seine Arbeit glaubt und im Vertrauen bleibt, dass es klappt. Für mich wird es dieses Mal anders sein, denn ich komme nicht als junger Bursche dorthin, sondern als jemand, der viel Spielpraxis vorweisen kann. Deshalb werde ich mich mit dem Platz auf der Bank nicht zufriedengeben, sondern alles geben, damit ich im Tor so oft wie möglich stehe.“


Das Team ist der Star  

Als Ex-Berliner hat er die DEL-Meisterschaft diese Saison ganz genau verfolgt. Dabei sah er, wie einige bekannte Gesichter und Weggefährten zum neuen Meister wurden. „Ich verfolge natürlich die Eisbären. Wer würde das an meiner Stelle nicht machen? Sie haben lange darauf gewartet, dass sie den Pokal wieder in den Händen halten. Am meisten freut es mich für Frank Hördler, die achte Meisterschaft feiern zu dürfen. Und ich durfte mit so einem Spieler zusammenspielen. Es war unglaublich von so einem Spieler Sachen zu lernen. Aber auch für Spieler der jungen Generation wie Kai Wissmann und Jonas Müller freut es mich sehr. Sie haben es sich redlich verdient“, freut er sich über den Erfolg früherer Mannschaftskollegen.

Kurz vor Weihnachten standen die Pinguins vor den Eisbären in der Gruppe Nord, waren auch ein Finalist im Magenta Sport Cup. Jahr für Jahr schafften sie es immer wieder mit beschaulichen Mitteln erfolgreich zu sein und scheinen nach dem Motto “Das Team ist der Star” zu leben. Nun kommt auch eine Teilnahme in der Champions League dazu, wo die Gegner TPS Turku, Sparta Prague und SHL-Meister Växjö Lakers heißen werden. Für Franzreb genau der richtige Platz in dieser immens wichtigen Phase seiner Karriere. „Das Team ist der Star. An so etwas sieht man, wie wichtig es ist, vielleicht nicht das meiste Talent zu haben, aber trotzdem als Mannschaft Berge versetzten zu können. Genau das sah man jede Saison bei den Jungs. Ich freue mich einfach riesig auf die neue Saison. Ich möchte weiter mit Bremerhaven Geschichte schreiben. Vor allem spielen wir jetzt auch noch in der Champions Hockey League, da kann es nur ein ganz besonderes Jahr werden, wenn man auch noch international spielen darf. Ich kenne die verrückten Fans in Fischtown. Ich kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht.“


So jung, dennoch so viel erlebt  

Ein Sommer voller Vorbereitungsarbeit steht Franzreb vor. Am Anfang dieser neuen Herausforderung kann er auf viele Jahre reichlicher Erfahrung zurückblicken und zwar aus der DNL, Oberliga, DEL2 und DEL. Vergessen sollte man auch nicht, dass er bereits für Deutschland bei einer U20-WM unterwegs war und im Sommercamp der Los Angeles Kings teilnahm. All das mit nicht mal 25-Jahren. Bekannterweise haben viele prominente Torhüter erst jenseits der 30-Jahre-Marke ihre besten Eishockeyjahre erlebt, ein Alter, von dem Franzreb noch weit entfernt ist.

Aber mit jeder Phase und in jeder Liga muss man bestimmte Herausforderungen meistern, um am Ende des Tages ein gestandener DEL-Torwart zu werden. Für Franzreb haben seine Erfahrungen, Höhen und Tiefen schon eine bedeutende Rolle gespielt. „Ich hatte das Glück, dass ich, wo auch immer ich war, sehr viel spielen durfte und das hat mich weitergebracht. Man kann viel über das Training machen, aber im Spiel ist vieles anders und das ist das Wichtigste für jeden jungen Spieler, egal ob Torwart, Stürmer oder Verteidiger“, erklärt er, als würde er die Teilnehmer einer Torwartschule ansprechen.

Dass sich die DEL von der DEL2 in vielen Aspekten unterscheidet, ist sich Franzreb bewusst. „Der größte Unterschied ist, dass die Gegner in der DEL nicht viele Chancen direkt vor dem Tor bekommen. Allerdings musst du diese Chancen verhindern, sollten sie es doch schaffen. In den anderen Ligen hast du einfach viel mehr Torchancen, die du vereiteln kannst. In der DEL musst du mental noch bereiter sein als irgendwo anders, denn die Liga ist schneller und noch mehr von der Taktik geprägt. Daher gibt es manchmal auch nicht viel zu tun, dennoch gibt es diese eine Chance, die du dann verhindern musst, um zu gewinnen.“

Ob Franzreb in seinem zweiten Anlauf in der DEL der Durchbruch gelingt, wird sich zeigen. Mit den Leistungen der vergangen zwei Jahre in der DEL2 sollte dies jedoch kein Problem sein. Die Fischtown Pinguins wissen ganz genau, was sie mit dem 24-jährigen Tölzer bekommen. Einen jungen, hoch-motivierten und talentierten Goalie. Die DEL sei vorgewarnt.



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