NHL

Playoff-Vorschau: North Division

Die North Division mit dem deutschen Superstar Leon Draisaitl, seinem Freund und Sturmkollegen Dominik Kahun sowie dem Schweizer Gaëtan Haas startet als letzte in die Playoffs. Die Edmonton Oilers duellieren sich dabei mit den Winnipeg Jets, während es weiter östlich zum großen kanadischen Traditionsduell zwischen Toronto und Montreal kommt.



Wie stark ist die rein kanadische North Division? Schon seit über einem Vierteljahrhundert wartet Kanada auf den erneuten Gewinn des Stanley Cups. Durch den wohl einmaligen Modus mit den ersten beiden Runden innerhalb der Divisionen wird zumindest ein kanadisches Team unter den besten Vier der Playoffs stehen. Letztmals gelang dies Winnipeg 2018, das allerdings im Conference-Finale den Vegas Golden Knights mit 1:4 unterlag.


Toronto Maple Leafs (1.) vs. Montreal Canadiens (4.)  

Auch wenn die Maple Leafs in der Schlussphase der Saison nur noch durchwachsen spielten und acht der letzten 15 Partien verloren - Toronto war das über weite Strecken der Hauptrunde beste Team der Division, das erst abbaute, als der Vorsprung auf die Verfolger bereits groß war. Die Canadiens hingegen gerieten nach gutem Start schon im Februar mit sieben Niederlagen aus acht Spielen ins Schlingern, was dem erfahrenen Coach Claude Julien den Job kostete. Auch gegen Ende der Saison schwächelte Montreal ohne die Schlüsselspieler Carey Price und Shea Weber deutlich - so wurde die Hauptrunde auch noch mit fünf Niederlagen in Folge beendet. Kein anderes Playoff-Team holte weniger Punkte aus den 56 Spielen als die Quebecer mit nur 59.  


Stärken & Schwächen 

Sechsbeste Offensive, siebtbeste Verteidigung. Die Maple Leafs gewannen die North Division vor allen Dingen deshalb, weil sie das beste Allround-Team waren. NHL-Toptorjäger Auston Matthews (41 Treffer) und Mitchell Marner gehören zu den allerbesten Sturmduos der Liga, an Tiefe und vor allen Dingen ganz viel Erfahrung mangelt es dank Akteuren wie John TavaresWilliam Nylander und der Verpflichtungen von Nick Foligno und zuvor Joe Thornton oder Wayne Simmonds ebenso wenig. In der Defensive wurde Herbstneuzugang T.J. Brodie zu einem exzellenten Partner für Topverteidiger Morgan Rielly, sodass Toronto insgesamt qualitativ stark und breit aufgestellt ist.

Montreal kann da nicht mithalten - weder im Angriff, wo die Starpower eines Matthews oder Marner fehlt (Tyler Toffoli als Topscorer reichten 44 Punkte) und den Top-Prospects Cole Caufield und Jesperi Kotkaniemi (beide 20) zunächst wohl nur ein Platz auf der Tribüne bleibt. Auch in der Defensive, in der der Ausfall Webers schmerzt, könnten Probleme auftauchen. Mit 165 Gegentoren kassierten die Canadiens die zweitmeisten aller Playoff-Teilnehmer nach St. Louis (167). Die Offensive wiederum produzierte mit 158 die zweitwenigsten Tore unter den Top-16 (nur vor den allerdings äußerst defensivstarken New York Islanders mit 152).  


Schlüsselspieler 

Im vergangenen Sommer warfen die Canadiens in der Playoff-Quali überraschend Pittsburgh (3:1) aus dem Wettbewerb und schlugen sich in Runde eins anschließend auch beim 2:4 gegen Philadelphia sehr ordentlich. Nicht zuletzt dank der starken Zwei-Wege-Sturmformation um Brendan Gallagher, der nach Verletzungspause für Spiel eins zurückkehrt. Vor allem von ihm als Galionsfigur einer kompakten Teamdefensive wird viel bezüglich einer möglichen Erstrundenüberraschung abhängen. Bestätigen derweil bei Toronto insbesondere Matthews, aber auch Nummer-zwei-Center Tavares, ihre Hauptrundenleistungen gegen die nicht nur auf dieser Position nicht topbesetzten Frankokanadier, dürfte dies bereits der Schlüssel zum Weiterkommen für die „Ahornblätter“ werden. 


Goalie-Duell 

Was zum Duell zweier anerkannter Nummer-eins-Keeper hätte werden können, wird nun aus unterschiedlichen Gründen zum Duell mit Fragezeichen. So startete Montreals Starkeeper Carey Price zwar gut in die Saison, baute dann jedoch ab (Fangquote nur 90,1 Prozent) und war zuletzt obendrein längere Zeit verletzt. Backup Jake Allen, der insgesamt vier Spieler mehr machte als Price, kam auf einen Wert von 90,7. Dennoch startet Montreal nun wohl mit dem 33-Jährigen im Tor in die Playoffs. Recht ähnlich das Bild bei den Maple Leafs, nur mit noch größerer Diskrepanz: Die etatmäßige Nummer eins Frederik Andersen strauchelte zunächst mit 89,5 Prozent Fangquote, fehlte dann bis zuletzt verletzt, meldet sich nun aber zurück. Da die eigentliche Nummer zwei Jack Campbell jedoch als Vertreter in seinen 22 Spielen sehr ordentlich parierte (92,1), startet der 29-jährige US-Amerikaner in die Playoffs. Kann Price seinem Status entsprechend trotz der problembehafteten Saison den Unterschied ausmachen?  


Special Teams 

Die Schwäche "Penalty Killing" teilen sich beide Teams ungewöhnlich brüderlich. Denn mit jeweils 78,5 Prozent gehörten Montreal (23.) und Toronto (24.) zu den schwächsten Klubs der Hauptrunde. Sehr nahe beieinander liegen beide auch im durchschnittlichen Powerplay. Toronto (16.) traf in Überzahl mit 20 Prozent Erfolgsquote, Montreal (17.) mit 19,2.


Saison-Serie 

Satte zehnmal trafen beide Traditionsklubs bereits zwischen dem 14. Januar und 9. Mai aufeinander. Mit 7:3 geht der direkte Vergleich dabei klar an Toronto. Zwei Spiele wurden erst in der Overtime entschieden, drei weitere mit nur einem Tor Differenz nach regulärer Spielzeit. Nur zweimal gewannen die Maple Leafs mit mehr als zwei Toren Unterschied (jeweils mit drei).


Prognose 

Allenfalls der besondere Derby-Charakter zwischen den beiden Traditionsklubs spricht für ein engeres Duell. Auf dem Papier aber sollte an einem Serienerfolg für Toronto kein Vorbeikommen sein. Die Maple Leafs gewinnen mit 4:1.

 

Edmonton Oilers (2.) vs. Winnipeg Jets (3.)  

Die Saisonverläufe der Oilers und Jets verliefen äußerst konträr. Während die Oilers seit Mitte März keine zwei Spiele in Folge mehr verloren und von den letzten 25 Spielen nur acht nicht gewannen, war es für Winnipeg gerade andersherum: Neun der letzten zwölf Spiele verlor das Team aus der Provinz Manitoba, das so Edmonton in der Tabelle noch an sich vorbeirauschen sehen musste.


Stärken & Schwächen 

Die Oilers besitzen in Connor McDavid (105 Scorerpunkte), hinter dem die individuell beste Saison eines NHL-Spielers seit rund 25 Jahren liegt, und Leon Draisaitl (84) das beste und spektakulärste Sturmduo der Gegenwart. Beide enteilten der Konkurrenz aus den anderen Klubs in Sachen Scoring erneut, McDavid dürfte Draisaitl zudem als MVP beerben. Daneben ist auch das Gesamtpaket des Teams von Coach Dave Tippett breiter geworden - vor allem dank Allrounderverteidiger Darnell Nurse (16 Tore), Offensivverteidiger Tyson Barrie (48 Punkte) und den Stürmern Ryan Nugent-Hopkins und Jesse Puljujärvi, der sich im zweiten Anlauf in Nordamerika nun durchsetzte. Die Fragezeichen in Defensive und Tor bleiben, sind aber kleiner geworden.

Winnipegs Mannschaft ist derweil ähnlich strukturiert wie die der Oilers. Zwar fehlen die absoluten Superstars, doch dafür verteilt sich die Qualität im Angriff der Jets mit insbesondere Topscorer Mark ScheifeleNikolaj Ehlers, der nach Verletzung pünktlich zu den Playoffs zurückkehren soll, Kyle Connor, Kapitän Blake Wheeler oder Neuzugang Pierre-Luc Dubois auf mehrere Schultern. In der Defensive fehlt es nach Josh Morrissey - trotz Neal Pionk und seiner 32 Scorerpunkte - hingegen an vergleichbarer Starpower. 


Schlüsselspieler 

Hinter McDavid, Draisaitl sowie der Torhüterfrage wird es bei den Oilers für Playoff-Erfolg vor allem Dingen darauf ankommen, wie gut man in der Breite aufgestellt ist. So lastet einiger Druck auf NHL-Rookie Ryan McLeod (21) und Jujhar Khaira (26), die die Center-Positionen Nummer drei und vier einnehmen, wenn Nugent-Hopkins - wie zumeist - außen in einer der Topreihen eingesetzt wird. Auch bei den Jets liegt der Fokus auf einem jungen Akteur: Der im Deal mit Patrik Laine und Jack Roslovic aus Columbus gekommene Dubois (22) ist von den Blue Jackets unter Coach John Tortorella mit Defensivaufgaben bereits vertraut. Von seiner Rolle gegen McDavid und Draisaitl wird für das Abschneiden der Jets einiges abhängen.    


Goalie-Duell 

Schon seit Jahren ziehen die Oilers ein mittelschweres Torhüter-Problem mit sich herum. Im Sommer blieb Keeper-Oldie Mike Smith (39) ein wenig überraschend, nachdem es General Manager Ken Holland nicht gelungen war, eine Verstärkung an Land zu ziehen. Doch Smith (Fangquote 92,3) zeigte im Duett mit dem Finnen Mikko Koskinen (89,9) die deutlich stabileren Leistungen und avancierte zu einem echten Rückhalt. Zuletzt war er allerdings leicht angeschlagen. Bei Winnipeg ist Connor Hellebuyck die unumstrittene Nummer eins - belegt durch die meisten Hauptrunden-Einsätze aller NHL-Keeper mit 45. Seine 91,6 Prozent Fangquote ist die sechstbeste unter allen Vielspielern mit mehr als 35 Einsätzen. Nominell haben die Jets hier die Nase vorn. 


Special Teams 

Mit 27,6 Prozent Erfolgsquote stellten die Oilers in der Hauptrunde erneut das beste Powerplay der NHL, Winnipeg rangierte mit 23 Prozent immerhin auf Platz sieben. Auch im Penalty Killing liegen beide Teams nicht weit auseinander: Edmonton kam hier mit 82,9 Prozent auf Platz neun, Winnipeg mit 80,5 nur knapp dahinter (Platz 13). 


Saison-Serie 

Zwei der ersten drei Spiele gingen in stets torreichen Duellen an die Jets. Doch dann drehten die Oilers auf und gewannen sämtliche sechs weiteren Partien (mit einer Tordifferenz von 21:7), sodass der direkte Vergleich in der Hauptrunde mit 7:2 klar an die Oilers ging. 


Prognose  

Wenn es Winnipeg, anders als über weite Strecken der Hauptrunde, gelingen sollte, Edmontons Duo infernale McDavid/Draisaitl einigermaßen in den Griff zu bekommen, besteht dank etwas mehr Tiefe gerade im Angriff die Chance für ein Weiterkommen. Allein die Überform von McDavid und eine vor Ende der Hauptrunde gut geölte Edmonton-Maschinerie dürften aber das Pendel zugunsten der Oilers ausschlagen lassen, die mit 4:2 gewinnen. 



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